Geschichte und Auftritte

 

Wissen um Gefahren des Atommülls sichern!

 

Atomianer

zeitweise bei: Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 


Die Atomianer, eigentlich: „Atomianer – Priesterschaft des Atommülls“, sind eine Gruppe politisch engagierter Atomkraftgegner aus Deutschland (u.a. aus der attac-Gruppe „Freies Wendland“). Zielsetzung der Atomianer ist es die Folgen der aktuellen Energiepolitik, insbesondere der Nutzung der Atomenergie und der Problematik der Endlagerung von radioaktiven Abfällen, in der Öffentlichkeit zu thematisieren. Experten gehen davon aus, dass Atommüll für mindestens 1 Million Jahre an einem erdgeologisch und klimageschichtlich sicheren Ort eingeschlossen werden muss.

Die Benennung als „Priesterschaft des Atommülls“ geht zurück auf eine Idee des Linguisten Thomas Sebeok. Er schlug die Schaffung einer so genannten „Atompriesterschaft“ vor, die mit eigenen Ritualen und Mythen das Wissen um die Lagerstätten und die damit verbundenen Gefahren durch radioaktive Abfallprodukte mit langen Halbwertszeiten (z.B.: Plutonium239: 24.400 Jahre, Technetium99: 200.000 Jahre) an zukünftige Generationen weitergeben soll.

Diese „Atompriesterschaft“ ist ein Lösungsansatz neben weiteren, die im Rahmen der Atomsemiotik entwickelt werden. Die Problemstellung dabei besteht darin Wege zu finden, wie Informationen über die tödliche Gefahr über eine noch nicht abschätzbare Anzahl von Kulturen und geschichtlichen Abläufen hinweg sprachlich, kulturell und politisch tradiert werden können.

Es ist die Frage zu beantworten, wie bereits heute - vor der Schaffung eines weltweit ersten sicheren Endlagers für tödlich strahlende Abfälle aus der zivilen und militärischen Nutzung der Atomenergie - ein kommunikativ-gruppendynamisches Modell, das eine fast ewig sozial und politisch sichere Perspektive bietet, installiert werden kann, damit das für das Überleben der Menschheit unverzichtbare Wissen über Generationen, Sprachen und Kulturen hinweg bewahrt und weitergegeben werden kann.

Bisherige atomare Katastrophen und Zwischenfälle, die unverantwortlich desolate Behandlung der atomaren Abfälle weltweit, der mangelnde Schutz der Menschen vor Strahlenschäden und damit die Verletzung der Menschenrechte (Schutz des Lebens und der Gesundheit) durch Politiker und Profiteure der Energiewirtschaft haben im Wendland (Landkreis Lüchow-Dannenberg) zur Gründung dieser Atompriesterschaft geführt. Menschen, die damit konfrontiert sind, daß ein -von vielen Wissenschaftlern für völlig ungeeignet gehaltener- Salzstock bei Gorleben allein aus kurzfristigen politischen Motiven zum zukünftigen Standort für atomaren Strahlenmüll bestimmt worden ist, wollen nicht länger hinnehmen, daß die Gefahren und Probleme (besonders die Notwendigkeit eines sofortigen Ausstiegs aus der Atomenergienutzung) medial und kollektiv verdrängt werden.

Die Atomianer beschäftigen sich nicht nur mit Atomsemiotik, sondern auch mit den politologischen, soziologischen, sozialpsychologischen, naturwissenschaftlich-technischen Konsequenzen der täglich drohenden weiteren atomaren Katastrophen, der bisherigen Unfälle (vgl.: Majhak/Ural, Tschernobyl 26.4.1986), Verseuchungen, Vertuschungen, engen Verknüpfungen mit militärischen Nutzungen (u.a. depleted Uranium) etc.. Da die Atomenergie neben Demokratieabbau einen Überwachungsstaat (R. Jungk: Atomstaat) und Verfilzungen zwischen dem militärisch-industriellen Komplex und der Politik nach sich zieht, muss sich die Priesterschaft der Atommülls auch mit Demokratietheorie und Zukunftsforschung befassen (u.a. Methode der "Zukunftswerkstatt"). Fraglich bleibt, ob die Atomianer überhaupt noch etwas nennenswertes zum Schutz der Menschen vor Strahlenschäden erreichen können angesichts der Verseuchungen, mit denen der atomare Kreislauf vom Uranabbau über die Urananreicherung und "Wiederaufbereitung" (jährlich Freisetzung von Radioaktivität im Ausmaß eines kerntechnischen Unfalls wie Tschernobyl; vgl.: EU-Studie) bis hin zu der wahrscheinlich unlösbaren Aufgabe einer sogenannten "Endlagerung" der tödlich giftigen Abfälle verbunden ist.

Die Atomianer sind bereits deutschlandweit bei politischen und kulturellen Veranstaltungen aufgetreten: u.a. bei der "Kulturellen Landpartie" 2004 im Wendland, in Dresden, Gronau, Brokdorf, Krümel/Geesthacht und zuletzt bei der Ausstellung "Stille Tage in Gorleben" des weltbekannten Aktionskünstlers H.A. Schult. Es gibt entsprechende Presseberichte, Fotos und Filmmaterial. In diesem Jahr ist ein Auftritt beim Evangelischen Kirchentag in Hannover geplant (25. - 29.5.2005).

 

Literatur

  • A. Jensen: Ewiges Feuer, Spiegel spezial 7 (1995)
  • Wie von einem anderen Stern. Können wir Menschen, die erst in 10.000 Jahren leben, vor den Gefahren unseres Atommülls warnen?, ver.di-publik, 08/09-2004
  • Roland Posner (Hg.): Warnungen an die ferne Zukunft – Atommüll als Kommunikationsproblem. Raben-Verlag, München, ISBN 3922696651
  • R. Schneider: Countdown für die Ewigkeit-Atommüll als Kommunikationsproblem, Radio-Feature, DLF 30.12.2003;
  • IPPNW (Hrsg.), Die Endlagerung radioaktiver Abfälle, S. Hirzel-Verlag, Stuttgart 1995;
  • Jeremy Hall, Lebenszeit, Halbwertzeit, Zweitauseneins, Frankfurt/M. 1998;
  • Studie im Auftrag der EU: Mögliche toxische Auswirkungen der Wiederaufbereitungsanlagen in Sellafield und La Hague, Okt. 2001 - Publikation des Europa-Parlaments PE Nr. 303.110.
  • WeblinksPandora's Box: How and Why to Communicate 10,000 Years into the Future (Th. A. Sebeok) (http://www.mat.ucsb.edu/~g.legrady/academic/courses/01sp200a/students/enricaLovaglio/pandora/Pandora.html) (englisch) attac.de/wendland (http://www.attac.de/wendland) (hier auch: Presseberichte, Fotos etc.)

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Atomianer bei der Kunstaktion des Aktionskünstlers H.A. Schult "Stille Tage in Gorleben" :

Trash People, Gedelitz (Wendland) 2004
 

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